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Warum und wie Vorlesen?

Im Spiel lernen Kinder die Welt begreifen. Doch brauchen sie über die Spielsachen hinaus weitere Orientierungshilfen wie Bücher, um sich ein Bild von der Welt machen zu können. Im Erkennen und Wiedererkennen von Gegenständen und Situationen, die im Bilderbuch erscheinen, kann sich bereits beim Kleinkind eine dauerhafte Lesefreude entwickeln. Der Umgang mit Büchern sollte jedoch nicht vom schulischen Lernen bestimmt werden. Durch Freude am Lesen wird die geistige Arbeit des Kindes sogar viel eher gefördert als durch Schulzwang.
Lesen Sie mit ihrem Kind zusammen, so oft es geht und so oft es das will. Denn wenn Sie Interesse zeigen, wächst beim Kind nicht nur die Lese-Neugier. In dieser Situation bildet sich eine Bindung zum Buch, welche im wiederholten Wunsch nach gemeinsamer Betrachtung zum Ausdruck kommt. Manchmal geht es für das Kind weniger um das Buch selbst, als vielmehr um die Zuwendung einer geliebten Person. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Kinder auch dann wenn sie bereits lesen können, immer noch vorgelesen bekommen wollen.

Ein paar Tipps zum Vorlesen:

  • Verwechseln Sie Vorlesen und Erzählen nicht mit einer Vorbereitung auf die Schule. Suchen Sie regelmäßige Gelegenheiten zum Vorlesen und Erzählen, z.B. vor dem Schlafengehen oder an regnerischen Tagen.
  • Richten Sie sich bei der Auswahl der Bücher nach dem Alter Ihres Kindes: kurze Geschichten in großflächigen Büchern für die Kleinsten – längere Geschichten, auch in Fortsetzung über mehrere Tage zu lesen - für die Größeren. Achten Sie auf gute Illustration und auf klare Schriftbilder.
  • Nehmen Sie bei der Auswahl der Bücher Rücksicht auf die Vorlieben des Kindes. Wählen Sie Bücher, die sich mit der Erlebniswelt des Kindes beschäftigen.
  • Bringen Sie Abwechslung beim Vorlesen und Erzählen: wählen Sie mal fantastische Geschichten, mal lustige Sprachspiele, mal Sachbücher, mal Märchen...
  • Lassen Sie sich auf die Fantasie und Fragen des Kindes ein.
  • Versuchen Sie nicht, Fernsehen und Bücher gegeneinander auszuspielen. Bücher zu beliebten Fernsehsendungen können ein guter Einstieg zum Vorlesen und Erzählen sein.
  • Sprechen Sie mit dem Kind über das gemeinsam Erlebte, über Bücher ebenso wie über Fernsehsendungen.
  • Seien Sie ein Vorbild. Je mehr Sie sich selbst mit Büchern beschäftigen, um so mehr wird ihr Kind Freude an Büchern haben.

Was vorlesen?

Bilderbücher:
Sie helfen in klaren Bildern, der täglichen Erlebniswelt der Kinder entsprechend, die beschriebenen Geschichten in Ruhe zu betrachten und zu überdenken. Kinder werden so behutsam mit aktuellen Problemen der Welt konfrontiert: Probleme des Außenseiters, der Autorität, des Umweltschutzes, Vorurteile, Konsumwünsche etc.
Bilderbücher lassen sich auch selbst herstellen: Stellen Sie mit ihren Kindern Geschichten aus Fotos (von der Familie, von Freunden des Kindes, von Lieblingsorten etc.) eigenen Zeichnungen und ausgeschnittenen Bildern her. Nicht nur dass Sie damit die Aktivität, Fantasie und Kreativität ihres Kindes fördern, Sie vermitteln auch das Erlebnis, dass sich eigene Ideen verwirklichen lassen und dass die eigenen Erlebnisse und Ideen es wert sind, "gedruckt" zu werden.

Märchen/Fabel:
In Märchen sind die Lebenserfahrungen aller Völker aufbewahrt. In einfachen Sinnbildern, die für menschliche Grundprobleme stehen, sprechen Märchen Kinder und Erwachsene an.
Durch die fantastischen Elemente lernt das Kind, sich seinen Ängsten und dem "Andersartigen" zu stellen.
Da Kinder oft eine besondere Zuneigung zu Tieren hegen, können mit Tier-Fabeln menschliche Eigenschaften oder Beziehungen und deren Probleme und Folgen näher gebracht werden.

Kinderreime:
Gedichte und fantastische Erzählungen regen die Fantasie des Kindes an und führen sie von den teilweise einengenden Klischees der Alltagssprache weg. Sie bieten Anregungen zur eigenen Kreativität. Auch in der fantastischen Geschichte ist trotz des scheinbaren Unsinns vieles enthalten, was zum Verständnis von Literatur beiträgt.

Comics:
Kritiker meinen, dass Comics zu Fantasielosigkeit, zu Geschmacksverwirrung und zu Analphabetismus führen können. Statt pauschaler Ablehnung sollte jedoch versucht werden, die Bedeutung des bei Kindern besonders beliebten Mediums zu verstehen. Comics liefern ihren ganz speziellen Beitrag auf dem Weg des Kindes zur Beherrschung der Schrift. So ist auch (unter anderem) erwiesen, dass Comics auf Medien wie Film, Bildende Kunst und Literatur vorbereiten können.

Tipps für Spiele rund ums Buch

Spiele, die zum Schauen auffordern:
"Ich seh' etwas, das du nicht siehst, und das ist..." Dieses Spiel läßt sich besonders gut bei Bildern mit vielen Einzelheiten spielen. Lassen Sie ihr Kind bekannte Dinge auf dem Bild suchen oder etwas Neues entdecken, das Sie ihm dann erklären können.

Spiele, die das Sprechen fördern:
Wer weiß die richtigen Namen der abgebildeten Dinge? (z.B.: Haushaltsgeräte, Tiere, Pflanzen...)

Spiele mit Lauten und Wörtern:
Erfinden Sie Sätze und lassen Sie Ihr Kind welche erfinden. So entstehen erste selbsterfundene Lautmalereien und Reime, verdrehte Wörter... Lassen Sie das Kind Zungenbrecher nachsagen, Dialekte sprechen...

Spiele, die das Denken anregen:
Welche Dinge auf dem Bild sind aus Metall, Holz, aus Papier? Welche Tiere oder Dinge findet man im Haus, Garten, Wald? Stellen Sie Fragen zum Sinn einer Geschichte: z.B.. "Warum freut sich Peter?"... Ermuntern Sie ihr Kind die eigene Meinung zu äußern: "Findest du es richtig, dass Max allein in den Park geht?"... Lassen Sie Ihr Kind raten, wie die Geschichte weiter gehen könnte oder einen anderen Schluss für die Geschichte erfinden.

Spiele, die das Gedächtnis stützen:
Ermuntern Sie das Kind nach einiger Zeit zu erzählen, was es sich von einer gelesenen Geschichte behalten hat. Fragen Sie, an welche eigenen Erlebnisse, die zur Geschichte passen, sich das Kind erinnert.

Spiele, die zur Kreativität anregen:
Erfinden Sie zusammen mit Ihrem Kind Rollenspiele oder stellen Sie selbst ein Bilderbuch her. Kinder macht es auch Spaß Buchgeschichten (nach)zu malen oder deren Figuren aus Knetmasse zu formen und zu basteln.

Buchempfehlungen werden herausgegeben von:

Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlegern
Blumenstraße 10
70182 Stuttgart

Arbeitskreis für Jugendliteratur
Schlörstraße 10
80634 München

Stiftung Lesen
Fischtorplatz 23
55116 Mainz

Deutsches Jugendschriftenwerk
Fischtorplatz 23
55116 Mainz

Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. Volkach
Hauptstraße 42
97332 Volkach

Landesarbeitsgemeinschaft
Jugend und Literatur NRW e.V.
Von Werth-Str. 159
50259 Pulheim-Brauweiler

Die Leseempfehlungen des Arbeitskreises für Jugendliteratur und der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. sind über die

Buchhändler-Vereinigung,
Postfach 100442
60004 Frankfurt/Main

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